Aktuelles Unterrichtsmaterial * Thema Aufklärung

 

Die Fabel in Wikipedia

Schöne Einführung zur Fabel von Udo Klinger unter dem Titel "Fabeln - Verkleidete Wahrheiten

Die Fabel - In aller Kürze

Die Fabel bezeichnet eine in Vers oder Prosa verfasste kurze Erzählung mit belehrender Absicht, in der vor allem Tiere, aber auch Pflanzen und andere Dinge oder fabelhafte Mischwesen, menschliche Eigenschaften besitzen (Personifikation) und handeln (Bildebene). Die Dramatik der Fabelhandlung zielt auf eine Schlusspointe hin, an die sich meist eine allgemeingültige Moral (Sachebene) anschließt. Wichtige Fabeldichter sind Aesop, Hans Sachs, Jean de La Fontaine, Jean-Pierre Claris de Florian, Christian Fürchtegott Gellert, Magnus G. Lichtwer, Wolfhart Spangenberg, James Thurber und Lessing.

Gotthold Ephraim Lessing bildet gemeinhin den Abschluss der klassischen deutschen Fabeltradition. Er nutzt die Fabel im Sinne der Aufklärung, wobei er durch geringfügige Änderungen des Inhalts zumeist bekannter Fabeln zu neuen Nutzanwendungen gelangt.

Merkmale der Fabel

• Im Mittelpunkt der Handlung stehen oft Tiere, Pflanzen oder andere Dinge, denen menschliche Eigenschaften zugeordnet sind.

• Die Tiere handeln, denken und sprechen wie Menschen.

• Die Fabel will belehren und unterhalten (fabula docet et delectat).

• Nach Lessing soll die Fabel einen allgemeinen moralischen Satz auf einen besonderen Fall zurückführen und an diesem dann in Form einer Geschichte darstellen.

• Die Personifikation der Tiere dient dem Autor häufig als Schutz vor Bestrafung o.Ä., denn er übt keine direkte Kritik, etwa an Zeitgenossen.

• Häufiges Fabelthema, vor allem im Zeitalter der Aufklärung, ist die Ständeordnung und die Kritik an ihr.

Typischer Aufbau einer Fabel

1. Promythion - vorangestellte Nutzanwendung /Lehre

2. Ausgangssituation der Handlung

3. Auslösung der Handlung (actio, Rede, 1. Handlungsteil)

4. Reaktion des Betroffenen (reactio, Gegenrede, 2. Handlungsteil)

5. Ergebnis der Handlung (eventus)

6. Epimythion - nachgestellte Nutzanwendung /Moral

Die einzelnen Teile sind nicht alle in jeder Fabel enthalten, da die Lehre bzw. Moral manchmal gar nicht explizit genannt wird, damit der Leser sie selbst herausfindet oder weil sie ganz offensichtlich ist. Wenn sie genannt wird, kann sie am Anfang (Promythion) oder am Ende (Epimythion) der Fabel stehen. Die Fabel dient im ersten Fall als plastische Verdeutlichung einer Lehre, im häufiger vorkommenden zweiten Fall ist sie die Geschichte, die den Leser auf ein Problem stößt. Weiterhin kann die gleiche Fabel auch unterschiedlichen Zielen dienen, zum Beispiel bei Äsop oder Lessing.

Eine Beispielsfabel heutiger Zeit von Maddin und Jannik

Eine hungrige und abgemagerte Wölfin schlich schon seit Tagen durch das Dickicht des Waldes, auf der Suche nach Nahrung. Zu derselben Zeit begab sich aber auch ein kleiner hungriger Igel auf die Suche nach Essbarem. Nun kam es, dass sie sich beide kurz vor dem Hungertod trafen, an einem Reh-Kadaver. „Oh welch schmackhaftes Reh uns beiden hungrigen, kurz vor dem Tode stehenden Geschöpfen Gottes geschenkt wurde, setzt dich zu mir und lass uns beide gemeinsam verspeisen“. Die Wölfin jedoch wollte nicht teilen und so sagte sie: „ Lass mir mein Reh, denn wenn ich wollte, könnte ich dich auch verspeisen“. „ Vor Gott sind wir doch alle gleich, lass uns teilen, oder dieses Reh gehört mir, da ich es zu erst gesehen habe.“ Die Wölfin jedoch lies sich von so einem kleinen Igel nichts sagen und schnappte nach ihm. Im selben Moment rollte sich der Igel zusammen und stach die Wölfin in die Nase, welche vor Schreck und Schmerz jaulend davon rannte.

Und so bekam der Igel sein Festmahl