Aktuelles Unterrichtsmaterial * Thema Woyzeck

 

Intern

Bildersequenz zum Film

Bilder eines Mordes

Zu Büchners Biographie

Steckbrief Büchner

 

Extern

Ganzschrift im Netz

Interpretation auf Xlibris

ZUM - Büchner-Site

ZUM-Wiki: Woyzeck

Büchner als Sozialrevolutionär

Der Fall "Woyzeck" (ZUM)

Woyzeck und die Obrigkeit

Aspekte des Determinismus

Historische Hintergründe (doc)

Woyzeck in der Wikipedia

Szenenzusammenfassung

Woyzeck
Weiterführende Informationen und Material

Fach:
Deutsch
Jahrgang: 12

1. Zum sozialen Drama im Allgemeinen:

Es geht um die Entlarvung der Scheinheiligkeit der bürgerlichen Welt.

Vorläufer: Büchner, Woyzeck (1836);

dann: Gerhart Hauptmann, Vor Sonnenaufgang (1889), Die Weber (1892)

 

2. Auszug aus: "Walther Killy – Literaturlexikon" zum Woyzeck

Mit Woyzeck, so Elias Canetti, sei B. »der vollkommenste Umsturz in der Literatur gelungen: die Entdeckung des Geringen«. In der Figur Woyzecks betritt der Arme, der als Soldat u. Bediensteter zu wissenschaftliche Demonstrationen missbraucht wird, u. der Kranke, von Wahnvorstellungen Gehetzte, die Bühne.

Zugleich wird die hochliterarische Schriftsprachigkeit der Figurenrede aufgelöst. »In der gleichzeitigen stilistischen und inhaltlichen Revolution liegt die absolute Einmaligkeit des Woyzeck-Fragments« (Sengle).

Wie die Figuren in Danton's Tod, wie Lenz, geht auch die Kunstgestalt Woyzeck zurück auf eine historische Person. Johann Christian Woyzeck war ein arbeitsloser Pauper und psychisch Kranker, der wegen Mordes an seiner Geliebten 1824 hingerichtet wurde, nachdem ihn psychiatrische Gutachten für zurechnungsfähig erklärt hatten.

Die Instanz der Kunst eröffnet eine eigene Wahrnehmung des Geringen: der Arbeitshetze, der Demütigungen durch Vorgesetzte und Geliebte, des körperlichen Verfalls und der seelischen Verstörungen. Dantons Überlegung »Was ist das, was in uns hurt [...] und mordet!« impliziert eine fatalistische Lösung des Problems der Willensfreiheit. Büchners Dramenfragment spitzt diese Fragestellung zu und führt zur Infragestellung der Moral, Wissenschaft und der sozialen Verhältnisse, die Woyzeck zugrunde richten.

Das Stück macht mit der Kritik an der Rhetorik in Danton's Tod und der Skepsis gegen die Literatursprache in Leonce und Lena Ernst. Büchner filtert die überkommene literarische Schriftsprachlichkeit, bis sie der gesprochenen Sprache nahe kommt - als Sprache des Geringen. Er erhöht die Aussagekraft nicht sprachlicher Zeichen, von Stimmungen, Ahnungen, Körperwahrnehmungen und -reaktionen. Entsprechend schwindet der dialogische Bezug der Dramenpersonen, sie vereinzeln, vereinsamen, verstummen: Auch die Sprache wird zu einer fremden, nicht verfügbaren Macht.

Büchners unvergleichliche »Keuschheit fürs Geringe« (Canetti) mag sich der Einsicht in eine Gewalt von Sprache verdanken, der sich die Dichtung begeben muss, wenn sie ihre Figuren nicht überwältigen, sondern sich »in das Leben des Geringsten« senken u. es wiedergeben will »in den Zuckungen, den Andeutungen, dem ganzen feinen, kaum bemerkten Mienenspiel«, wie es Büchners Lenz fordert.

Eigentlich hat es das Jahrhundertdrama Woyzeck nie gegeben. Bekanntlich hat Georg Büchner seine wohl im Sommer 1836 in krakeliger, nahezu unleserlicher Handschrift im Straßburger Exil begonnene Tragödie über den kleinen Soldaten, den eine übermächtige Umwelt und der eigene Wahnsinn zum Mord an seiner Geliebten treiben, nie zum Abschluss gebracht:

Es existieren nur diverse Neu-, Lese- und Bühnenfassungen, von denen jede beansprucht, authentischer als die anderen zu sein.
Selbst diese Rekonstruktionen aber illustrieren Büchners bestechende dramaturgische Meisterschaft: Wie es ihm in einer fast filmisch scharf geschnittenen Szenenfolge gelingt, Woyzecks Vorgesetzten mit wenigen Worten als hilflosen Unmenschen zu karikieren, der sich in Tautologien verheddert ("Moral ist, wenn man moralisch ist"), oder den kantianischen Doktor bloßzustellen, der den armen Titelhelden für "ein paar Groschen täglich" als Versuchstier missbraucht, ist in der deutschen Literatur ohne Parallele.

Als schließlich der schneidige Tambourmajor wie ein Gockel beim Zapfenstreich vor Woyzecks Geliebter Marie herumstolziert, um sie zu verführen, ist die Menagerie männlicher Triebe vollständig und mit knappsten Mitteln vorgeführt. Denn auch in den Regieanweisungen herrscht eine rationelle Perfektion, die langes Reden überflüssig macht:

Wenn Büchner seinen Woyzeck zum Stöckeschneiden aufs freie Feld schickt, dann ist sein niederer Militärrang wie nebenbei ausreichend eingeführt. Und wenn er Marie in ihrer Kammer zeigt, wie sie sich selbst mit den Ohrringen des Tambourmajors in einer spitzen Scherbe spiegelt, kommt einem unweigerlich Gretchens Sehnsucht nach dem Besitz des mephistophelischen Hals- und Ohrschmucks in Goethes Faust in den Sinn. Besser -- und anspielungsreicher -- kann man kaum schreiben:

Jede Metapher des Dramas spitzt das Geschehen etwas mehr auf das grausige Ende zu: Da nämlich zieht Woyzeck seiner Marie mit dem Messer ein blutiges "Halsband" über die Kehle. Gemeinhin gilt Woyzeck als erstes soziales Drama und damit als gravierender Einschnitt der deutschen Literaturgeschichte. Tatsächlich erzählt es von der unausweichlichen Ungerechtigkeit und Grausamkeit der Welt:

Radikaler noch als in Büchners Danton's Tod ist hier das Scheitern revolutionärer Ideale, das Ende der Geschichte, in jeden Satz mit eingekerbt. Als Woyzeck dem Hauptmann beim Rasieren das Messer an den Hals setzt, ohne sich der machtvollen Möglichkeiten seines Tuns bewusst zu sein, ist dies aufs Anschaulichste ausgedrückt. Es ist ein ungeheuer dichtes Bild voll rätselhafter, erschreckender Poesie -- auch was das angeht, ist vielleicht nur Büchners unterschätzte Komödie Leonce und Lena mit ihrer absurden Komik noch ein wenig schöner.

"Er läuft ja wie ein offenes Rasiermesser durch die Welt", bemerkt der Hauptmann einmal über Woyzeck, "man schneidet sich an ihm". An dieser politischen und sprachlichen Schärfe hat auch Büchners sezierendes Drama bis heute nichts verloren.

 

3. Inhaltsangabe für den Hauptteil

Das Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner, das nach Büchners Tod als Fragment zurück blieb, wurde im Jahre 1879 zum ersten Mal in einer stark überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Der Kern der Handlung besteht darin, dass der Soldat Woyzeck, von den Institutionen missbraucht und gepeinigt, am Ende dazu getrieben wird, aus Eifersucht einen Mord zu begehen.

Der einfache Soldat Franz Woyzeck, der seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind, die genau wie er am Rande der Gesellschaft leben, zu unterstützen versucht, arbeitet als Laufbursche für seinen Hauptmann. Außerdem lässt er sich von einem skrupellosen Arzt als Versuchsperson auf Erbsendiät setzen, um einen zusätzlichen Verdienst zu seinem mageren Sold zu erhalten. Hauptmann und Arzt nutzen Woyzeck physisch und psychisch aus und demütigen ihn in der Öffentlichkeit. Marie beginnt eine Affäre mit einem Tambourmajor.

Woyzecks aufkeimender Verdacht wird durch ihm nicht freundlich gesonnene Mitmenschen geschürt, bis er Marie und den Nebenbuhler beim Tanz im Wirtshaus ertappt. Er hört "Stimmen", die ihm befehlen, die treulose Marie umzubringen. Er kauft ein Messer, da das Geld für eine Pistole nicht reicht, und ersticht Marie in einem Wald nahe einem See.

4. So unter uns und analytisch gedacht

Das Werk Woyzeck in den Dimensionen Schuld und Sühne sowie in dem Spannungsfeld aus „Freiem Willen“ und „Gesellschaftlicher Fremdbestimmung“ gedacht, entzieht sich im Grunde einer Lesart, der folgend ein einfacher Mann wie Woyzeck in den Augen der Gesellschaft für eine Mordtat abzustrafen ist.

Vielmehr ist es im Sinne des sozialen Dramas ein Spiegel der gesellschaftlichen Verhältnisse und einer damit verbundenen Kritik. Das soziale Drama erscheint als eine öffentliche Gerichtsverhandlung, an deren Ende sich der Richter den Zuschauern der Verhandlung zuwendet und ihnen sagt, dass auch sie im Sinne der Anklage alle schuldig sind und nun nach Hause gehen sollen und darüber nachdenken sollen, in welcher Welt sie gedenken, leben zu wollen und welchen persönlichen Beitrag sie dazu leisten können.

5. Was könnte man aus dem Woyzeck lernen?

Moral-ethische Fragestellung: Der Ausgangspunkt ist doch die Frage, mit wem ich mich identifiziere und wenn nicht identifiziere, dann doch im Sinne Lessings: Mit welcher Figur empfinde ich Mitleid? Woyzeck erscheint als der bemitleidenswerte Mörder. Warum das?

Er wird unterdrückt Und wir sollten uns gegen Unterdrückung stark machen, die Schwachen unterstützen.
Perspektivlosigkeit

Wir müssen ein Stück weit Mut haben, unseren Willen zu leben.

 

Kein selbstbestimmtes Leben Er hat keine Wahl als zu tun, was andere sagen, weil er es nicht anders kennt – auch das meint soziale Determination.


6. Gegebene Dialektik:

Freier Wille vs. Soziale Determination

Bzw.

Freiheitliche Selbstentfaltung vs. Gesellschaftl. Fremdbestimmung

7. Dramatische Konflikt, das dramatische Casus:

Mord an Marie

Frage nach der moralischen Beurteilung der Sachlage – Hat reale Bezüge und zwar mit der Frage nach der Schuldzurechnungsfähigkeit.

Vorschlag zum Aufbau

  1. Was ist der dramatische Konflikt? Handlungsdilemma
  2. Der dramatische Konflikt entsteht aus einem Spannungsfeld, mit dem dir dramatische Figur konfrontiert wird: Hier Gesellschaftliche Gegenwelten – dargestellt durch größtenteils komplementäre Beziehungen und Abhängigkeitsverhältnissen und sozialen Rollen (was die Rolle des fürsorglichen Mannes für seine Frau mit einschließt) und der oben dargestellten Dialektik.
  3. Die nächste Frage besteht darin, warum der Zuschauer eine solche Handlung dargeboten bekommt. Was soll er lernen?

    a. Über Identifikation und Mitleid soll er auch sein künftiges eigenes Handeln überdenken (er lernt am fehlgeleiteten Handeln der Figuren) und so sich auch

    b. Überlegen, wie die Welt, in der er lebt, ein Stück weit besser gemacht werden kann

    c. Und selbst anders handeln und so ein besserer Mensch werden.