Aktuelles Unterrichtsmaterial * Thema Marktpräferenzen in der Realität

 

 

 

 

THEMA MARKT
Marktpräferenzen in der Realität

Fach:
Politik und Wirtschaft
Jahrgänge: 8, 11, 12

Abweichend vom Modell des Vollkommenen Marktes kommt es auf den real existierenden Märkten durchaus zu Präferenzen, die über das "möglichst viel" und das "möglichst günstig" hinausgehen. Sie können sachlicher, persönlicher, räumlicher und zeitlicher Art sein.

Sachliche Präferenzen

Sachliche Präferenzen ergeben sich, weil Güter eben nicht homogen, d.h. völlig gleichartig sind. Dass Güter wirklich gleichartig sind, kommt nur relativ selten vor. In der Regel lassen sich Güter, die dem Namen nach als gleichwertig gelten, in ihrer Qualität unterscheiden. Das fängt bereits bei der Verpackung an, mit Logos, Image und Werbung, die darauf zielt, das Besondere an einem Produkt hervorzuheben.

Persönliche Präferenzen

Persönliche Präferenzen bedeuten eigene Vorlieben und Abneigungen. Auf einem vollkommenen Markt dürften sie keine Rolle spielen und doch gibt es sie, weil ein Käufer zum Beispiel eine gewisse Markentreue entwickelt - „Einmal Audi, immer Audi“ oder auch irrationale Abneigungen hat „Unser ahner fährt kahn Japaner“. Persönliche Präferenzen ergeben sich, weil der Käufer keinen vollständigen Überblick über den Markt hat (Markttransparenz). Er müsste im Grunde über alle konkurrierenden Produkte und deren Preise bei den verschiedenen Anbietern informiert sein und daneben noch erhebliche Kenntnisse – zum Beispiel technische – besitzen, um einen echten Vergleich vornehmen zu können. Dies ist nahezu unmöglich. Und noch etwas führt zu einem weit verbreiteten irrationalen Verhalten auf dem Markt: Die Annahme, dass das Teuerste auch gleichzeitig das Beste ist.

Räumliche Präferenzen

„Noch mal eben ein Bier an der Tanke holen“. Für den Homo oeconomicus ein völlig abwegiges Verhalten, doch für den zuweilen bequemen Konsumenten in der Realität ganz und gar nicht abwegig sondern stattdessen der kürzeste Weg zum Glück und somit eine eindeutige räumliche Präferenz. Dies gilt auch für die Ladengeschäfte in der Fußgängerzone. Sie besitzen zugunsten der Läden in den Nebenstraße zumeist die höhere Anziehungskraft – oder nehmen wir die großen Einkaufszentren am Stadtrand, die mit dem Auto leichter zu erreichen sind. Bei den Beispielen spielen noch andere Einflussfaktoren mit ein. Ein gewisses Shoppingflair in der Fußgängerzone oder das zeitliche Ersparnis, wenn man keine lästige Parkplatzsuche betreiben muss. Während Letztgenanntes noch mit einem direkten Nutzen erklärbar ist, ist ein nahezu lustvolles Shoppingerlebnis, das mehr ist als nur Einkaufen gehen, völlig abseits des Erklärungsmodells vom vollkommenen Markt. Fakt ist aber, dass es räumliche Präferenzen gibt.

Zeitliche Präferenz

Die Akteure des Vollkommenen Marktes sind in hohem Maße reaktiv – sie regieren spontan auf Preisveränderungen bzw. auf die vorhandenen Mengen eines Gutes, d.h. sie passen entweder ihr Angebot oder aber die Nachfrage an – und dies im Nachhinein. So gesehen dürfte es keine zeitlichen Präferenzen geben, da das Verhalten von keinen tiefgehenden Überlegungen begleitet ist, sondern vielmehr wie ein Reflex funktioniert. Tatsächlich ist es aber so, dass sich die Marktteilnehmer von spekulativen Überlegungen leiten lassen. Sie lassen sich bei ihren Entscheidungen davon leiten, wie sie die künftige Entwicklung von Preisen einschätzen. Sie warten bei Neuheiten in der Unterhaltungsindustrie erst einmal den Zeitpunkt ab, an dem die hohen Einführungspreise zu sinken beginnen, sie verlegen Einkaufstouren in den Sommerschlussverkauf oder tanken noch einmal schnell den Wagen voll, wenn sich internationale Spannungen mit Erdöllieferanten auf dem Weltmarkt ankündigen.

Alle dargestellten Präferenzen weichen vom Modell des Vollkommenen Marktes ab und machen ihn unvollkommen. Dies ist nicht als Werturteil zu verstehen. Der vollkommene Markt ist nicht besser. Der Vollkommene Markt ist ein Modell – ein theoretisches Modell, das versucht, Marktaktivitäten und den Prozess der Preisregulierung zu erklären. Dabei nutzt dieses Modell Prozessbeschreibungen, die stark vereinfacht sind. Es wird nur ein Faktor betrachtet und das ist der Preis – alle anderen Faktoren werden ausgeklammert bzw. bleiben gleich. Dies ist eine zwingende Voraussetzung für das Modell. Man nennt sie ceteris-paribus-Klausel.