Aktuelles Unterrichtsmaterial * Thema Privater Haushalt / Individualentscheidungsprozess

 

 

 

 

 

 

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THEMA MARKT
Der private Haushalt im Individualentscheidungsprozess

Fach:
Politik und Wirtschaft
Jahrgänge: 8, 11, 12

Wir wollen unsere ökonomischen Erkenntnisse hier mal zur Anwendung bringen, den Prozess einer Kaufentscheidung einmal durchspielen und dabei genaueres Augenmerk auf Aspekte legen, die man im Zuge einer Entscheidungsfindung durchläuft.

Individualentscheidungen können wir von Gruppen- und Kollektiventscheidungen insoweit differenzieren, als das die Entscheidung beim Einzelnen bleibt und keines Konsenses, d.h. einer Kompromissfindung bei verschiedenen Interessen bedarf.

 

Der hier in einem Kreismodell dargestellte Ablauf eines Entscheidungsfindungsprozesses ist in dieser Gestalt ein typischer. Die Elemente kann man in dieser Reihenfolge durchlaufen bzw. es wäre sinnvoll, sie zu durchlaufen aber man kann auch hin und her springen oder unter bestimmten Umständen den Prozess abbrechen, wenn sich keine adäquaten Lösungen ergeben oder der Status Quo (der augenblickliche Zustand) nachträglich doch als hinnehmbar umgedeutet wird.

Zunächst einmal sollen die Elemente allgemein erklärt werden.


1. Problemidentifikation

Auf dieser Ebene melden sich die Bedürfnisse und die Bedürfnisse entstehen ja bekanntlich dort, wo sich ein Mangel bzw. eine Situation bemerkbar macht, die unbefriedigend ist. Dies ist zunächst einmal noch ein recht unbestimmtes Gefühl, das nach einer genaueren Bestimmung bedarf. Der Prozess, der aus einem noch unbestimmten Gefühl ein fassbares und genau bestimmbares Problem macht, stellt die Problemidentifikation dar.


2. Zielformulierung

Wenn ich mein Problem schließlich genau gegriffen habe, so ist es mir schließlich auch möglich zu bestimmen, was ich konkret anders haben möchte und was ich von einer Alternative zu meinem jetzigen Zustand erwarte. Während Punkt 1 eine Formulierung des Ist-Zustandes bedeutet, handelt es sich bei Punkt 2 um die Formulierung des Soll-Zutandes bzw. des Zustandes, den man am Ende des Entscheidungsprozesses erreicht haben möchte. Auch auf dieser Ebene dürften wir uns noch im Bereich der Bedürfnisse bewegen.

3. Informationsgewinnung

Ist das Ziel formuliert, so muss man sich nun darüber informieren, welche Alternativen auf dem Markt vorhanden sind. Hierzu höre ich mich um, informiere mich in entsprechenden Quellen, in der Zeitung, im Internet, Prospekte etc.. Diese Sichtung kann zunächst noch sehr breit angelegt sein.

4. Informationsverarbeitung

Die Verarbeitung der Informationen verläuft dahingehend, dass ich prüfen muss, ob sich die gewonnenen Alternativen bzw. Angebote mit meinen Bedürfnissen decken und in dieser Phase dürfte auch ein Abgleich mit dem vorhandenen Budget sinnvoll sein, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Hier klinkt sich also die Dimension des Bedarfs ein. Natürlich wird es in der Praxis wohl so aussehen, dass man bereits während der Informationsgewinnung zwischen echten Alternativen und Nieten selektiert. Gemäß diesem Einwand sehen den Punkt 3 zunächst einmal als das erste Aktivwerden auf dem Markt.

5. Lösungssuche / 6. Bewertung der Lösungsvarianten

In diesen beiden Phasen, die eng miteinander verschränkt sind, werden wir die Angebote in eine engere Auswahl überführen und dann miteinander vergleichen. Es kann sein - unwahrscheinlich ist es nicht - das keines der Angebote unseren Idealvorstellungen entspricht - weder vom Preis, noch vom Nutzen. Besteht der Nutzen aus verschiedenen Komponenten - und beim Beispiel der Wohnungssuche ist dies sicher der Fall - so werden wir diese Komponente nun unterschiedlich gewichten, wir stellen eine Präferenzordnung auf, formulieren Aspekte, die uns besonders wichtig sind und ziehen den Kreis der Auswahl enger zusammen. Hierbei werden wir also noch einmal auf den Punkt 2, die Zielformulierung, zurückkommen und prüfen, inwieweit die gefundenen Angebote unseren Bedürfnissen entsprechen.

7. Auswahl

Jetzt kommt der entscheidende Punkt - und dies im trefflichsten Wortsinne - irgendwann müssen wir uns einmal entscheiden. Steckt man erst einmal mittendrin im Eifer der Sichtung und Auswahl, so verdrängt man diesen Umstand durchaus einmal. Stets ist man getrieben von dem Zweifel und der Frage, ob es da auf dem Markt noch irgendwo eine bessere Lösung gibt bzw. ob es da eine Lösung gibt, die sich noch treffender mit den eigenen Bedürfnissen deckt. Wir tun dies aus dem genannten Grund, dass es nie eine Lösung gibt, die hundertprozentig mit der Zielvorstellung übereinstimmt. Wenn man aber eine Entscheidung treffen will, so muss man sich irgendwann einmal festlegen und wenn man sorgfältig alle Lösungsvarianten bewertet hat, so sollte dies auch möglich sein.

8. Durchführung

Ist die Auswahl getroffen, so kommt es zum Vollzug der Entscheidung. Jetzt befinden wir uns an der Stelle, an der es zu einer Nachfrage kommt. Hier wird jetzt noch einmal ganz deutlich, inwieweit sich der Bedarf von der Nachfrage unterscheidet. Zwischen diesen beiden Begriffen steht ein umfangreicher Entscheidungsfindungs- und Auswahlprozess, bei dem ein ganz bestimmtes Produkt aus einer gewissen Masse denkbarer Alternativen gewählt wird, von dem man sich eine besonderes hohe Passung hinsichtlich der persönlichen Bedürfnisse und dem Nutzen, den man sich von einer Lösung erwünscht, verspricht.

9. Kontrolle

Und, bist du jetzt glücklich? Hat sich der Ursprungszustand verändert, ist das Unbehagen verschwunden- und der Sollzustand erreicht. Wenn man erreicht hat, was man wollte, kann es nicht schaden, zu kontrollieren, ob der angepeilte Nutzen wirklich zeigt - es kommt zu einer Bewertung des neuen Zustandes und hier schließt sich dann der Kreis. Es kann durchaus sein, dass der neue Zustand immer noch nicht als das Gelbe vom Ei bewertet wird. In diesem Fall wird ein neuer Entscheidungsprozess in Gang gesetzt und wir bewegen den Spielstein wieder an den Anfang- zur Problemidentifikation.