Arbeit ist in jungen Jahren ja eigentlich gar nicht so beliebt, steht sie doch der Ausgestaltung von Freizeit erheblich im Wege. Sie ist aber vor allem deshalb nicht beliebt, weil sie in jungen Jahren im Kreise der Familie in Form von Haus- und Hofarbeit praktiziert- und nicht wirklich mit Lohn bedankt wird. Und damit sind wir bei einem wichtigen Stichwort, denn Arbeit führt zu Lohn und der Arbeitslohn ist die Eintrittskarte für die Privaten Haushalte, um im Wirtschaftsgeschehen handlungsfähig zu sein. Wer vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen wird, dem fehlt es wesentlich an gesellschaftlicher Teilhabe. Dies muss man sich bewusst machen. Darum geht es hier zunächst einmal volkswirtschaftlich gedacht. Der Fokus liegt hier daher auf Arbeitslosigkeit als Phänomen der Krise und mit ihr um die folgenden wesentlichen Fragen: Wie wird das Ausmaß der Arbeitslosigkeit gemessen, wie ist sie in die Logik der Gesamtwirtschaft einzubetten, welche Ursachen und Lösungsvorschläge liefern die Vertreter der uns nun bekannten neoklassisch-wirtschaftsliberalen und keynesianischen Wirt- schaftstheorie und welche Gegenstrategien gibt es, kann es geben, um dem Problem der Arbeitslosigkeit zu begegnen?
Arbeitslosigkeit
Mit Ende der 1960er Jahre ist in Deutschland, zunächst Westdeutschland, ein Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt entstanden. Zuvor hatten wir die Zeit der Wirtschaftswunderjahre, etwa 15 Jahre Vollbeschäftigung, der Weg wies kontinuierlich nach oben, doch dann folgten mehrere konjunkturelle Krisen und die Zahl der Arbeitslosen und Langzeitarbeitslosen stieg stetig an (um die 5%, um es nur mal zu skizzieren). Dies war auch der Grund dafür, warum das sogenannte Stabilitätsgesetz mit dem Konzept des Magischen Vierecks im Jahre 1967 auf den Weg gebracht wurde.
Ermittelt werden die Zahlen zur Arbeitslosigkeit von der Bundesagentur für Arbeit. Als arbeitslos gilt im Sinne der Statistik, wer keine Beschäftigung hat und wer Arbeit suchend ist, also bei der Bundesagentur für Arbeit registriert ist, was bedeutet, dass die- oder derjenige auch arbeitsfähig und auf dem Arbeitsmarkt verfügbar (und nicht etwa krank, also arbeitsunfähig) ist. Man kann nun die Zahl der Arbeitslosen aufaddieren und käme so zur Absoluten Arbeitslosenzahl.
Man kann Arbeitslosigkeit aber auch durch die Arbeitslosenquote beziffern. In diesem Fall wird die Zahl der Arbeitslosen ins Verhältnis zur Zahl der Erwerbstätigen gesetzt. Das wären dann die Arbeitnehmer und Selbstständigen, aber auch Arbeitssuchende, die nicht bei der Arbeitsagentur als arbeitslos gemeldet sind.
Neben einer offenen, d.h. von der Arbeitsagentur erfassten Arbeitslosigkeit gibt es auch eine so genannte „verdeckte“Arbeitslosigkeit. Teils kann man diese statistisch ermitteln, teils nicht. So gibt es solche „verdeckten Arbeitslose“, die bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitssuchend registriert sind, für den Arbeitsmarkt aber gegenwärtig nicht verfügbar sind, weil sie zum Beispiel gerade in beruflichen Aus- und Weiter- bildungsmaßnahmen eingebunden sind, um eine höhere Passung für den Arbeitsmarkt zu erreichen. Diese verdeckte Arbeits- losigkeit nennt man auch „stille Reserve in Maßnahmen“. Dann gibt es noch eine weitere „Stille Reserve“ und das ist eine Gruppe von Menschen, die einen Arbeitsplatz suchen, die einen annehmen würden, hätten sie die Chance dazu, die aber nicht statistisch erfasst wurden und so auch keine Transferleistungen erhalten.
Freilich gibt es im Kreise jener, die nicht arbeiten, schlicht auch jene, die noch nicht/ oder nicht mehr im Alter der Erwerbstätigkeit sind bzw. sich noch in Ausbildung befinden. Kinder, Schüler, Studenten, Rentner.
Bilden wir den Arbeitsmarkt mal als ein Modell ab:
Aus Sicht der Wirtschaftstheorie ist die Arbeitslosigkeit nichts anderes als der Ausdruck eines Ungleichgewichts auf dem Arbeitsmarkt. Das Angebot an Arbeit von Seiten der Privaten Haushalte ist beharrlich größer als die durch die Unternehmen zum Ausdruck gebrachte Nachfrage nach dem Faktor Arbeit. Zumindest – und da sind wir ganz bei Friedman – bei den herrschenden Lohnsätzen. Um zu erklären, wie es nun konkret zu Arbeitslosigkeit kommt, brauchen wir mal wieder eine Modellanschauung, auch, um zu visualisieren, wie es aufgrund der Beschaffenheit und Dynamik des Arbeitsmarkts zu verschiedenen Typen von Arbeitslosigkeit kommt. Dies zu ergründen ist nicht unwichtig, denn verschiedene Typen, d.h. Formen der Arbeitslosigkeit verlangen nach maßgefertigten Strategien, um Arbeitslosigkeit zu überwinden. Es folgt hier also ein Modell, das – ihr kennt das bereits – die Strom- und Bestandgrößen einer empirisch erfassten Wirklichkeit in eine abstrakte, erdachte Ordnung fasst.

Also, die in den Kästen stehenden „Nicht-Erwerbspersonen“, „Erwerbstätigkeit“ und „Arbeitslosigkeit“ stellen hier im Modell Bestandsgrößen dar und sie beziehen sich auf einen bestimmten Zeitpunkt, zu dem der Bestand bemessen wird. Die Pfeile A-G repräsentieren dagegen Stromgrößen. Sie setzen die Bestandgrößen zueinander in dynamische Beziehung und verändern ihre Beschaffenheit. Eine Veränderung im Bestand der Erwerbstätigen beispielsweise ergibt sich aus der Differenz zwischen Einstellungen und Entlassungen. Die Bestandsgrößen sind wie ein Stausee. Fließt mehr in ihn hinein, so steigt der Pegel, fließt etwas ab, so sinkt er.
Es obliegt nun dem Betrachter, wo er anfängt, das Modell zu ergründen. An den Stromgrößen orientiert, startet es hier bei der Erwerbstätigkeit.
Nehmen wir also mal eine Beispielfigur und nennen sie Karl. Karl ist eben noch einer Erwerbstätigkeit nachgegangen, dann wird er plötzlich entlassen. Meldet er sich nun bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos (A) und lässt sich als Arbeitssuchender registrieren, so verzeichnet man ihn als Zugang im Pool der Arbeitslosen bzw. arbeitswilligen und arbeitsfähigen Arbeitssuchenden.
Es kann aber auch sein, dass Karl nur vorübergehend ohne Arbeit ist, vielleicht, weil er seine Arbeitsstelle wechselt. In diesem Falle fließt er nach der Entlassung gleich wieder in die Erwerbstätigkeit (B).
Kann er nach erfolgreicher Arbeitsvermittlung wieder aus der Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit gelangen, so ist er der Stromgröße (C) gefolgt. Man kann auch entlassen werden und dann nicht arbeitslos, sondern nur „nicht erwerbstätig“ sein.
Das verwirrt erst einmal, doch was bedeutet das?
Zunächst einmal vieles, denn nicht erwerbstätig ist prinzipiell jeder ohne Arbeit, arbeitslos im Sinne der Statistik nicht zwingend jeder. Um als arbeitslos zu gelten, muss man sich erfassen lassen und andererseits auch arbeitsfähig sein. Es kann ja auch sein, dass Karl aufgrund schwerer Krankheit entlassen wurde und nicht mehr arbeitsfähig ist, oder Karl wurde altersbedingt entlassen und geht dann in die Rente über und wäre so auch nicht-erwerbstätig. Er kann sich aber auch weiterbilden und wäre so ein Teil der Stillen Reserve: alles Bewegungen über die Stromgröße (D).
Wenn sich Karl mit nötiger Qualifikation ausgestattet hat, kann er wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen (E) oder aber er bleibt ohne Anstellung, meldet sich arbeitslos und wandert (F) in den Pool der registrierten Arbeitssuchenden, d.h. in die Arbeitslosigkeit, um es mal pessimistischer zu fassen. Dort wird Karl geführt, solange er sich aktiv um Arbeit bemüht, registriert ist und als Arbeitsloser bzw. Arbeitssuchender erfasst ist. Es ist auch möglich, dass er nach einer langen Dauer der Arbeitslosigkeit (Langzeitarbeitslosigkeit) in die Bestandsgröße der Nicht- Erwerbspersonen übergeht.
Das ist alles etwas hölzern, weil modellhaft erfasst. Grundsätzlich ist es schon auch so, dass man als Arbeitsloser auch Nicht-Erwerbsperson ist und als Nicht- Erwerbsperson irgendwie auch arbeitslos. Aber es geht eben auch darum, über das Modell verschiedene Formen von Arbeitslosigkeit zu erfassen.
Formen der Arbeitslosigkeit
Friktionelle Arbeitslosigkeit
Sucharbeitslosigkeit; durch den Wechsel des Arbeitsplatzes bedingte Arbeitslosigkeit, die den Zeitraum der Arbeits- platzsuche zwischen der Aufgabe der alten Tätigkeit und der Aufnahme einer neuen Beschäftigung bezeichnet. Diese Form der Arbeitslosigkeit ist kurzfristig, kann freiwillig sein (z. B. Eigenkündigung) oder auch unfreiwillig durch Arbeitgeberkündigung.
Konjunkturelle Arbeitslosigkeit
Form der Arbeitslosigkeit, die durch zyklische Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und die dabei auftretenden Nachfrageschwankungen und Produktionsrückgänge vor allem in einer Abschwungphase verursacht wird und zu Massenarbeitslosigkeit führen kann.
Saisonale Arbeitslosigkeit
Form der Arbeitslosigkeit, die durch jahreszeitliche Änderungen der Nachfrage bewirkt werden. So ist z. B. die Nachfrage nach Bauleistungen in Wintermonaten wegen der ungünstigeren Wetterlage geringer als in den Sommermonaten und die Bauwirtschaft hat durch diese saisonalen Schwankungen witterungsbedingte Beschäftigungsrückgänge zu verzeichnen.
Strukturelle Arbeitslosigkeit / Mismatch
Form der Arbeitslosigkeit, die dadurch entsteht, dass durch nachhaltige Veränderungen der Nachfrage in einzelnen Wirtschaftszweigen (z. B. im Kohlebergbau), durch den Einsatz neuer Techniken und Technologien oder durch Veränderungen auf dem Weltmarkt Arbeitsplätze entweder abgebaut oder betroffene Unternehmen ganz stillgelegt werden. Strukturelle Veränderungen erfordern in der Regel einen langen Anpassungs- und Umstellungsprozess der betroffenen Wirtschaftsbereiche. Strukturelle Arbeitslosigkeit ist meist langfristig.