Entwicklung einer Figur

Wir wollen für den Theaterunterricht eine Figur entwickeln. Dazu musst du dir zunächst einmal eine Reihe von Fragen beantworten, einen kleinen Steckbrief verfassen und dann mit den von dir ausgedachten Charaktereigenschaften und Merkmalen ein wenig spielen: du musst dir die Figur anlegen wie ein Kostüm.

Erfinde eine Figur und notiere ihre wichtigsten Merkmale:

  • Wer ist deine Figur? (Name, Alter, Herkunft, soziale Schicht)
  • Was motiviert sie? (Ziele, Sehnsüchte, Ängste)
  • Welche Vorgeschichte hat sie? (Prägende Erlebnisse, besondere Erfahrungen)
  • Welche Eigenheiten hat sie? (Gesten, Redensarten, Gewohnheiten)
  • Hat sie besondere Ticks oder Marotten?
  • Wie bewegt sie sich? (Schnell, langsam, gebeugt, steif, schwungvoll?)
  • Wie spricht sie? (Hochdeutsch, Dialekt, langsam/schnell, hohe/tiefe Stimme?)
  • Welche Emotionen bestimmen sie? (Optimistisch, melancholisch, wütend, unsicher?)
  • Was treibt sie an? (Macht, Geld, Liebe, Abenteuer, Gerechtigkeit?)
  • Welchen Beruf hat sie oder was macht sie im Alltag?
  • Wie ist ihre Mentalität und ihr Charakter? (Streng, verspielt, nachdenklich, egoistisch?)

Figuren-Steckbrief:

Fasse die wichtigsten Merkmale deiner Figur in einem Steckbrief zusammen und gestalte ihn anschaulich (z. B. mit einer kleinen Zeichnung oder Symbolen, die deine Figur charakterisieren).

Kurze Genre-Frage

Soll deine Figur zu einem bestimmten Genre gehören? Falls ja, welches?

  • Realismus: Figur aus dem echten Leben (z. B. Lehrer:in, Taxifahrer:in, Student:in).
  • Fantasy/Sci-Fi: Figur aus einer fantastischen Welt (z. B. Magier:in, Alien, futuristischer Roboter).
  • Krimi/Thriller: Ermittler:in, zwielichtige Person oder Verdächtige:r.
  • Komödie: Eine überzeichnete, lustige Figur mit absurden Eigenheiten.
  • Historisch: Figur aus einer bestimmten Epoche (z. B. Ritter, Adelige:r, Revolutionär:in).

Körperliche und sprachliche Erprobung

Bewegung & Körperhaltung:

  • Finde einen typischen Gang für deine Figur und bewege dich durch den Raum.
  • Setze dich: Wie sitzt, steht oder entspannt sich deine Figur?
  • Spiele mit Emotionen: Wie äußert sich bei deiner Figur Stress? Freude? Überraschung? Ärger? Trauer?

Stimme & Sprache:

  • Begrüße die Gruppe als deine Figur: „Hallo, ich bin … und das Wichtigste in meinem Leben ist …“
  • Experimentiere mit Stimmlagen, Dialekten oder Sprechgeschwindigkeiten.
  • Wie klingt das Lachen, Flüstern oder Schreien deiner Figur?

Begegnung mit anderen Figuren

  • Gehe durch den Raum und begegne anderen Figuren – ohne zu sprechen! Interagiere durch Blickkontakt, Gesten oder Körperhaltungen.
  • Beobachte, wie deine Figur auf andere reagiert.
  • Stelle dir vor: Deine Figur trifft jemanden, der ihr extrem ähnlich oder völlig gegensätzlich ist – was passiert?

Eine Doppelstunde

Warm-Ups

  • Durch den Raum gehen und in der gegebenen Zeit möglichst viele Hände schütteln 
  • Einer geht; alle gehen. Wir versuchen im Ensemble Impulse aufzunehmen. Jemand bleibt stehen und das Ensemble bleibt auch stehen, losgehen, langsamer werden, schneller …
  • Alle laufen durch den Raum; einer gibt Bewegungen vor. Zwei Spieler von außen sollen erraten, wer den Impuls gegeben hat- Greece!!
  • Gesten-Walzer 

Einstieg

Zunächst einmal wird durch Abklebungen mit Papier und/oder Aufklebern eine Arenabühne erstellt; bzw. auch durch die Stuhlreihen angedeutet (drei Reihen).

  • Wir bauen uns mit Stühlen eine Arenabühne. Bewegung um und über die Spielfläche. (steht die Figur?). Wir gehen um die Spielfläche und auch darüber. Wenn wir darüber gehen, machen wir uns auch bewusst, dass wir über eine Bühne gehen. Wir bewegen uns bewusster, mit einer gewissen Grundspannung, spielen ein wenig eine spontane Rolle. Auf das Kommando freece bleiben alle, die außerhalb der Spielfläche sind, stehen und die anderen bekommen einen spontanen Darstellungsauftrag. (Roter Teppich, House-Party, Demonstration, Cocktailparty unter Politikern, Catwalk einer Modepräsentation).
  • Alle Teilnehmer nehmen um die Bühne Platz. Drei Bildhauer stellen mit 3 Figuren ein Bild unter möglichst optimaler Nutzung der Spielfläche und Berücksichtigung der Zuschauer. Ggf. Themenvorlagen [Wintervergnügen, Straßenreinigung, Stau auf der Autobahn].
  • Wir laufen durch den Raum, wir hören mir zu. Schaft euch in Gedanken eine Figur, einen Charakter. Welchen Status könnte sie haben, wer ist sie, wo kommt sie her, wo will sie hin, was treibt sie an; ja, was braucht eine Figur alles – vielleicht noch einen Tick – auf jeden Fall wünsche ich mir ein Foto, schenkt ihr einen Satz, den ihr euch merken sollt. Lasst diese Figur für unsere weiteren Übungen dein Container sein, löse dich von Klischees.

    2. Teilnehmer verinnerlichen sich ihr Motto und erweitern es ggf. textuell, wenn es in seiner Urform arg kurz ist.

    1. Mit dem eigenen Motto experimentieren. Teilnehmer gehen durch den Raum: Text flüstern, laut, Staccato, verliebt, aggressiv, als Anpreiser, als Mafioso, als Tratschtante – spürt, welche Darbietungsform zu eurem Charakter passt, findet euren Stil und euer Auftreten.

      Immer, wenn ihr über die Bühne geht, so werdet dieser Charakter, füllt die Gesten, findet eine Mimik, eine Körperhaltung; eine Stimme und Tonlagesucht euch einen Platz auf der Bühne, einen klaren Bühnengang und kreiert einen kurzen Auftritt für eure Figur. (inklusive Motto).
    2. Zusammenspiel und kleine Auftritte. Es tun sich immer drei Figuren zusammen; sie treten nacheinander / zusammen auf der Bühne auf, setzen sich gemäß ihres Charakters zueinander in Beziehung – zu einer kurzen Inszenierung. (inklusive Motto)
    3. 3 oder 4 Gruppen werden gebildet; die Spieler sollen mit ihren Figuren und ihren Mottofragmenten an selbst zu wählenden Orten bzw. Bühnen eine Handlungsmontage erstellen.

      Aufgabe:

      – Raum (Kunstraum, Alltagsraum) aussuchen
      – Besonderheiten des Raumes wahrnehmen und einbeziehen, der Raum wird 
        zum Mitspieler (Erlaubt ist jede Bühnenform, außer der reinen 
        Guckkastenbühne)
      – die Zuschauer und deren Positionen sollten in die Überlegungen einbezogen
        werden. Bei der Präsentation sind die Zuschauer bewusst und zu setzen.
      –  Eine Inszenierung entwickeln ; eher Bilder als Handlungstheater, Collage
         (Fragmente, narrative Elemente, mehrere Ebenen- Spuren/-tracks —
         Parallelen, Kontraste, Spannung)
         Einbeziehung der Mottofragmente (Textfragmente), evtl. chorisches
         Sprechen einzelner Passagen, Einsatz von Requisiten (sparsam); 
         Bühnengänge, Bewegung und Gruppierung im Spielraum, Gliederung des
         des Raumes, Einbezug von Tönen & Geräuschen (ggf. Licht)
      – Präsentation und Besprechung 

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