Erzähltheorie

Erzählen beginnt nicht erst mit der Geschichte, sondern bereits mit der Entscheidung, wie erzählt werden soll. Sobald ein Autor eine Erzählinstanz entwirft, schafft er ein Ordnungssystem: Er trennt sich von sich selbst, erfindet einen Erzähler und wählt Haltung, Perspektive und Darbietungsform. Damit legt er fest, was sichtbar wird – und was verborgen bleibt.

Dieses erzählerische System richtet sich an einen zunächst nur gedachten, impliziten Leser, der mitgeführt, gelenkt oder bewusst auf Distanz gehalten wird. Ob auktorial, personal oder neutral, ob Bericht, Szene oder innere Rede: Jede Wahl strukturiert Wahrnehmung, Sinn und Wirkung.

Die Erzähltheorie, die ich euch hier vermitteln möchte, macht begreifbar, dass literarisches Erzählen immer ein äußerst bewusst komponierter Akt der Vermittlung ist – zwischen literarischen Stoff, Erzähler und letztlich dem geneigten Leser.

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