Das Portal in eine andere Welt

Vom Erzählmoment zur Szene

Ihr entwickelt aus einem kurzen Begegnungsmoment eine improvisierte Gruppenszene.

Die Ausgangssituation ist einfach: Zwei Personen treffen sich an einer Bushaltestelle (ihr erinnert euch vielleicht an unsere Impro-Übung).

Person A beginnt mit dem folgenden kuriosen Satz, den heute einmal alle für eine Szenenentwicklung übernehmen wollen:

„Ich habe ein Portal in eine andere Welt entdeckt.“

Person B reagiert neugierig und nimmt den Impuls sofort an:

„Nee, echt? Erzähl mal!“

Person A antwortet:

„Also, pass auf, das war so …“

Ab diesem Moment endet das Gespräch an der Bushaltestelle. Die erzählte Geschichte wird nun von der ganzen Gruppe auf der Bühne gespielt.

Eure Aufgabe ist es, aus dieser Erzählung eine kurze Szene von etwa 2–5 Minuten zu entwickeln.

Arbeitet in Gruppen von 4–5 Personen.

Die Szene soll zeigen:

Was war das für ein Portal?
Wo wurde es entdeckt?
Wer oder was befindet sich dahinter?
Was passiert, als die Figur hindurchgeht?
Welche überraschende Wendung entsteht?
Wie endet die Geschichte pointiert?

Achtet darauf, dass eure Szene nicht nur eine lose Aneinanderreihung von Einfällen wird. Sie braucht eine kleine Dramaturgie:

Anfang: Das Portal wird entdeckt.

Steigerung: Die andere Welt stellt eine Herausforderung, ein Rätsel oder eine Versuchung dar.

Wendung: Etwas ist anders als erwartet.

Schluss: Die Szene endet mit einem klaren Bild, einer Pointe oder einem überraschenden Satz.

Alle Gruppenmitglieder sollen sichtbar am Spiel beteiligt sein. Ihr könnt Menschen, Wesen, Stimmen, Gegenstände, Türen, Maschinen, Wächter, Naturgewalten oder Teile des Portals darstellen. Nutzt Körper, Raum, Stimme und Standbilder. Requisiten sind nicht nötig – die Bühne entsteht durch euer Spiel.

Wichtig: Der erste Impuls wird nicht erklärt, entschärft oder wegdiskutiert. Er gilt. Das Portal existiert. Eure Aufgabe ist es, daraus etwas Spielbares zu machen.

Präsentiert am Ende eure Szene so, dass das Publikum versteht: Das ist die Geschichte, die Person A gerade erzählt – und wir sehen sie jetzt live.

Zusatzregel

Eine mögliche Zusatzregel, die ich ziemlich nützlich fände, damit es nicht ins beliebige Fantasy-Gewusel kippt:

Jede Gruppe baut genau einen Satz ein, der am Ende noch einmal eine neue Bedeutung bekommt.
Zum Beispiel: „Geh da auf keinen Fall rückwärts durch.“
Am Anfang klingt das wie eine Warnung. Am Ende versteht man plötzlich, warum.

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