Wahlbesprechung | „Jenseits der Brandmauer“

Lektüre im Unterricht: Artikel „In Ostdeutschland geht es jetzt erst los“, aus der Freitag. Autor: Matthias Quent.

Der Text von Matthias Quent nimmt das Buch „Jenseits der Brandmauer“ von Monchi, dem Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet, zum Ausgangspunkt für eine größere Frage: Wie lässt sich demokratische Kultur in Regionen stärken, in denen rechte Parteien besonders erfolgreich sind? Im Mittelpunkt stehen dabei gesellschaftliche Entfremdung, politische Sprachlosigkeit, soziale Nähe und die Frage, warum demokratisches Engagement vor Ort oft wichtiger sein kann als moralische Abgrenzung.

Lest den Text mit der Frage: 

Warum gewinnen rechte Parteien nach Quents Ansicht an Zustimmung – und was müsste eine demokratische Gesellschaft anders machen?

Untersucht dabei:

  • welche Ursachen Quent nennt,
  • welche gesellschaftlichen Gruppen er kritisiert,
  • welche Rolle Sprache und soziale Beziehungen spielen,
  • und welche Gegenstrategie er vorschlägt.

Zur weiteren Aufschlüsselung des Textes könnten folgende Impulsfragen hinreichend sein:

  1. Welches Problem beschreibt Quent eigentlich?
    Geht es ihm vor allem um hohe AfD-Wahlergebnisse, um Rechtsextremismus – oder um den Zustand demokratischer Kultur?
  2. Was versteht der Autor unter einer „Brandmauer“ – und welche Grenze dieser Idee sieht er?
    Achtet darauf, wie er zwischen Parteien und deren Wählerinnen und Wählern unterscheidet. 
  3. Welche Ursachen oder Bedingungen nennt der Text dafür, dass rechte Parteien Zustimmung gewinnen können?
    Sammelt verschiedene Faktoren und ordnet sie: soziale, politische, sprachliche, räumliche, emotionale.
  4. Welche Rolle spielen Nähe und Distanz zwischen gesellschaftlichen Gruppen?
    Wo erkennt Quent Entfremdung – und zwischen wem? 
  5. Welche Kritik übt der Text an akademischen, urbanen oder linken Milieus?
    Ist diese Kritik eher politisch, kulturell oder sozial?
  6. Welche Bedeutung hat Sprache im Text?
    Warum können bestimmte Formen politischer Sprache nach Quent verbinden – oder auch trennen? 
  7. Warum reicht es nach Quent nicht aus, einfach „gegen rechts“ zu sein?
    Welche zusätzliche Aufgabe stellt er demokratischen Menschen?
  8. Welche Rolle spielen konkrete soziale Beziehungen?
    Warum sind Nachbarschaft, Jugendprojekte, Festivals oder gemeinsames Engagement für die Argumentation wichtig? 
  9. Wie erklärt Quent die Attraktivität der AfD?
    Welche Bedeutung haben dabei Gefühle wie Anerkennung, Zugehörigkeit, Kontrollverlust oder Ohnmacht? 
  10. Welche Bedeutung gibt der Text „Heimat“ und regionaler Identität?
    Warum will Quent diese Begriffe nicht den politischen Rechten überlassen? 
  11. Was meint der Text mit „Selbstwirksamkeit“?
    Warum könnte das Gefühl, selbst etwas verändern zu können, politisch bedeutsam sein? 
  12. Welche Lösung schlägt Quent am Ende vor?
    Ist seine Antwort eher politisch, sozial oder kulturell?
  13. Wo argumentiert Quent beschreibend – und wo wertet er selbst deutlich?
    Markiert mindestens je zwei Beispiele.
  14. Welche These des Textes findet ihr besonders überzeugend – und welche erscheint euch fragwürdig oder unbelegt?

Ein kleines Glossar zum Text

BegriffVerständliche Erklärung
BrandmauerPolitische Strategie, nach der demokratische Parteien mit einer als antidemokratisch oder rechtsextrem verstandenen Partei nicht kooperieren. Quent unterscheidet die parlamentarische Brandmauer von einer „sozialen Brandmauer“ gegenüber Menschen.
wehrhafte DemokratieVorstellung, dass eine Demokratie sich gegen Kräfte verteidigen darf und muss, die demokratische Freiheiten benutzen wollen, um die Demokratie abzuschaffen.
HegemonieVorherrschaft einer politischen oder kulturellen Sichtweise in einem bestimmten Raum. „Rechte Hegemonie“ bedeutet: Rechte Positionen bestimmen zunehmend, was als normal oder sagbar gilt.
MilieuEine gesellschaftliche Gruppe mit ähnlichen Lebensweisen, Erfahrungen, Wertvorstellungen und kulturellen Gewohnheiten.
„brahmanische Linke“Von Thomas Piketty verwendeter Begriff für eine stark akademisch geprägte Linke, deren soziale Basis sich von klassischen Arbeitermilieus entfernt hat. Quent verwendet ihn kritisch. 
affektive PolarisierungPolitische Gegner unterscheiden sich nicht nur in Sachfragen, sondern beginnen einander emotional abzulehnen, zu verachten oder zu fürchten.
KomplexitätsreduktionSchwierige Zusammenhänge werden auf einfache Erklärungen, Schuldige oder Lösungen reduziert. Das kann Orientierung schaffen, aber auch manipulativ sein.
SelbstwirksamkeitDas Gefühl: „Mein Handeln macht einen Unterschied.“ Quent sieht darin ein wichtiges Mittel gegen Ohnmacht und politischen Rückzug. 
Anywheres / SomewheresVereinfachtes gesellschaftliches Gegensatzpaar: mobile, häufig akademische Menschen mit kosmopolitischer Identität versus stärker ortsgebundene Menschen, deren Identität stärker mit Heimat und Region verbunden ist. 
StraßensoziologieQuents sympathisierende Bezeichnung für Monchis Blick auf Gesellschaft: Beobachtung und Deutung aus gelebter Erfahrung statt aus akademischer Distanz. 
DeutungshoheitEinfluss darauf, wie gesellschaftliche Ereignisse interpretiert und sprachlich eingeordnet werden.
EntfremdungGefühl, zu einer Gesellschaft, Institution, Gruppe oder Lebenswelt keinen wirklichen Zugang mehr zu haben oder von ihr nicht mehr verstanden zu werden.