Gemeinwohl, politischer Konflikt und Demokratie
Jahrgang: Qualifikationsphase / PoWi-Leistungskurs
Zeit: 90 Minuten
Themenfeld: Politisches System / Demokratie / politische Willensbildung
1. Einstieg: „20 Millionen – was ist gut für alle?“
Lasst euch ein auf die folgende Situation …
M1 – Eine politische Entscheidung
Eine Stadt hat unerwartet 20 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung.
Der Stadtrat diskutiert sechs Möglichkeiten:
A Sanierung der Schulen
B kostenloser ÖPNV für Jugendliche
C Bau von Sozialwohnungen
D Hochwasser- und Klimaschutz
E mehr Personal für Polizei und Ordnungsamt
F Senkung der Gewerbesteuer
Die Stadt könnte das Geld auf mehrere Bereiche verteilen. Für sämtliche Vorhaben reicht es jedoch nicht.
Arbeitsauftrag
Trefft als Gruppe eine Entscheidung über die Verwendung der 20 Millionen Euro.
Dabei gilt nur eine Bedingung:
Eure Entscheidung soll dem Gemeinwohl dienen.
Bereitet eine kurze Begründung vor. (Ihr dürft jede Verteilung beschließen – sofern ihr begründen könnt, warum sie dem Gemeinwohl dient.)
2. Auswertung.
- Entscheidungen vorstellen
- Sammlung der Begründungen (Gemeinwohl bedeutet, dass …)
3. Kleiner Irritationsimpuls
„Ihr solltet euch am Gemeinwohl orientieren. Woher wusstet ihr eigentlich, was das Gemeinwohl ist?“
noch einmal anders gefragt?
Ist das Gemeinwohl etwas, das man entdecken kann – oder etwas, das Menschen erst miteinander herstellen?
3. Lektürephase
M2 – Leseauftrag
Lest den Text und kennzeichnet:
Blau: Aussagen darüber, was unter Gemeinwohl verstanden werden kann.
Grün: Aussagen der Identitätstheorie.
Rot: Aussagen der Konkurrenztheorie.
Tragt anschließend zu beiden Theorien jeweils nur drei Punkte zusammen:
| Identitätstheorie | Konkurrenztheorie | |
|---|---|---|
| Vorstellung vom Gemeinwohl | ||
| Vorstellung von Interessen | ||
| Aufgabe demokratischer Politik |
Transferfrage:
Welche der beiden Vorstellungen beschreibt am ehesten das, was gerade in eurer Gruppe passiert ist? Begründet.
4. Erste Sicherung. Ein Gemeinwohl, zwei Modelle
Modell 1: Gemeinwohl vor der Politik
Modell 2: Gemeinwohl durch Politik
Arbeitsauftrag:
Erstellt hier auf Grundlage des Textes ein anschauliches Schaubild.
Was meinst du? Welches Modell passt besser zu einer pluralistischen Gesellschaft?
5. Die zweite Irritation: Warum eigentlich Konsens?
„Wir haben jetzt mehrfach gesagt: Interessen werden ausgehandelt, man sucht einen Kompromiss oder Konsens.“
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Aber warum muss eine politische Auseinandersetzung eigentlich in Konsens enden?
Noch anders gefragt:
„Was geschieht mit Positionen, über die wir uns nicht einigen können?“
„Ist eine Demokratie besonders gut, wenn möglichst wenig gestritten wird?“
„Oder könnte Streit sogar etwas sein, das eine Demokratie braucht?“
6. Zweite Lektürephase
Grundlage: Chantal Mouffe „Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion“
M3 – Arbeitsauftrag
Lest den Text und vervollständigt drei Sätze:
1. Politischer Konflikt entsteht, weil …
2. Eine Demokratie sollte Konflikte nicht …, sondern …
3. Aus politischen Feinden werden demokratische Gegner, wenn …
Zusatz für euch als LK:
Erklärt den Ausdruck „konfliktueller Konsens“.
Klärt für euch: Was würde Mouffe wahrscheinlich über eure Aushandlung der 20 Millionen Euro sagen?